Hallo Ihr vor dem Bildschirm,
Frauchen
hat mich gebeten Euch doch einmal etwas über mein bisheriges Leben zu erzählen.
Und meinem Frauchen kann ich nun wirklich keinen Wunsch abschlagen :-)

und ich bin ein ca. 7 jähriger
Bolonca-Zwetna Rüde aus Bulgarien.
Ich wäre
mit Gewissheit nicht mehr am Leben, wenn Tierschützer mich Ende 2006 nicht
aufgelesen hätten. Krank und schwach wie ich war, hätte ich in Bulgarien ganz
sicher nicht überlebt. Aber dank der Menschen, die die Vernunft nicht über ihr
Herz stellen konnten, bekam ich einen der seltenen Plätze bei einem Flugpaten
und durfte meine Reise nach Deutschland antreten.
Meine Reise
führte mich zunächst ins Tierheim Hürth. Ich erinnere mich noch ganz genau an
den Moment, als ich ins Tierheim kam. Ich hatte vor allem und jedem Angst und
habe in der ersten Zeit geknurrt, geschnappt und niemanden so richtig an mich
ran gelassen. Das hat mir den „Ruf
des „Wadenbeißers“ eingebracht und meine
Vermittlungschancen nicht gerade erhöht:
Erst nach
und nach habe ich gemerkt, dass alle es nur gut mit mir meinten und zumindest
zu einigen (wenigen) Menschen Vertrauen gefasst.
Meine
ersten Spaziergänge am Tierheim, meine ersten Begegnungen mit anderen Hunden,
die ersten Menschen, die nur nett zu mir waren, geregelte Mahlzeiten, ein
warmer Schlafplatz … das alles war eine neue und angenehme Erfahrung für mich.
Ich
erinnere mich noch, wie alle sich gefreut haben, als ich nach Monaten mein
erstes „großes Geschäft“ draußen erledigt habe – *grins*. An allen Ecken tönte
es nur „Lolek hat draußen gemacht“:-)
Oder an
meine erste Begegnung mit meinen Gassigängern und deren eigenen (ebenfalls aus
dem Tierschutz stammenden) Hunden Mona, Lisa und Benji.
Da sich im
geregelten Tierheimaltag einfach niemand so richtig für mich interessierte oder
diejenigen, die sich für mich interessierten durch mein äußerlich aggressives
verhalten schnell wieder Abstand von mir nahmen, wurde ich Anfang 2007 in der
Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ und diversen Zeitungen vorgestellt.
Trotz des –
für meine Verhältnisse sehr gelungenen - Auftrittes ließ sich aber auch
weiterhin einfach kein geeignetes neues dauerhaftes Zuhause für mich finden.
Viele haben nach der Sendung zwar mal vorbei geschaut aber keiner wollte mich
haben.
Da ich
einfach meine Angst gegenüber Fremden nicht überwinden konnte und immer wieder
zugeschnappt habe (man hat sogar vor lauter Galgenhumor schon eine Strichliste
geführt) schien mein weiteres Leben als Dauergast im Tierheim fest zu stehen.
Wären da
nicht meine Gassigänger gewesen, die nach langem Überlegen und Zögern sich dazu
entschlossen, mich aufzunehmen.
Am 13. Mai
2007 war es dann soweit. Als ich aus dem Tierheim ausgezogen bin, war ich
anfangs ja schon ein wenig skeptisch. Raus aus einer mir im Laufe der Zeit doch irgendwie vertraut gewordenen Umgebung
und rein in eine neue, abenteuerliche (weite) Welt.
Autos,
LKW’s, Motorräder, Straßenbahnen, Staubsauger, Aufzug fahren, baden, Zähne
putzen, Fell schneiden, Kinder; Besucher, fremde Hunde, abgetrocknet oder
gebürstet werden. Das war alles so unheimlich und beängstigend für mich.
Es gab
einfach so viele Dinge, die ich lernen musste wie z.B.: ich lasse mich ohne zu
beißen abtrocknen wenn ich nass bin, ich lasse mir ohne Zähne zu fletschen und zu
knurren meine Füßchen sauber machen wenn sie dreckig sind, ich lasse mich ohne
zu beißen bürsten und mir Filz aus meinem Bart entfernen wenn es Frauchen für
notwendig erachtet, ich belle nicht jeden unbarmherzig an wenn er meines
Erachtens merkwürdig guckt, schnappe keine vorbeigehenden Passanten in die
Waden und Besucher sind freundlich zu empfangen wenn Frauchen das so wünscht. Es hat
einige Zeit gedauert, bis ich das alles wirklich begriffen hatte. Aber dank der
Geduld und Ruhe meiner Menschen, sowie dem Beistand all meiner tierischen und
menschlichen Freunde habe ich diese Dinge im Laufe der Zeit immer besser kennen
gelernt. Mein Selbstvertrauen ist immer mehr gewachsen und heute blicke ich
ganz anders in die Welt. Heute weiß ich: hier in Deutschland ist alles besser.
Hier darf ich Hund sein und mein Leben einfach nur genießen.
Aber nicht
das Ihr meint, ich hätte ein Faulenzerleben. Nein…. Noch bevor ich mich versah,
war ich in der Hundeschule Florence gelandet.
Dort habe
ich dann nach und nach die grundlegenden Begriffe des „Hundeeinmaleins“ (Sitz,
Platz, Fuß und so) gelernt. Das hat mir echt ganz dolle spaß gemacht und ich
habe in der Hundeschule noch ganz nebenbei total viele tolle Hundemädels und
Hundejungs und deren Menschen kennen gelernt. Mittlerweile habe ich auch gar
nicht mehr so große Angst vor anderen Menschen. Wenn sie mit mir sprechen oder
mir Leckerchen geben, finde ich das o.k. Nur einfach ungefragt angefasst werden
möchte ich auch heute noch nicht. Aber mein „Klassenlehrer“ - der Andreas –
meint, dass käme ganz sicher auch noch einmal irgendwann. Ich brauche halt
meine Zeit.
Am 17. Mai
2008 (vier Tage nach meinem einjährigen Jubiläum) war es dann auch für mich
soweit. Mein großer Tag.
Gemeinsam
mit meinem Menschen habe ich die Begleithundeprüfung abgelegt und endlich
mein „Abiturzeugnis“ bekommen.
In der
Hundeschule habe ich auch das erste Mal in meinem Leben einen Agility-Parcour
gesehen. Zuerst schwante mir ja nichts Gutes. Was sind das den jetzt für
„Foltergeräte“ habe ich bei mir gedacht… was haben die jetzt bloß mit Dir
vor…warum freuen sich Mona, Lisa und Benji nur so sehr?.
Schnell
habe ich gemerkt, worum es hierbei geht. Spaaaaß, purer Spaaaaß. Je mehr meine
Muskeln sich im Laufe der Zeit aufbauten und je geschickter ich wurde, desto
mehr Spaß machte mir das Ganze. Heute meistere ich jeden Parcour ohne Probleme.
Naja, fast jeden: der große Tisch ist mir noch ein wenig suspekt, den umlaufe
ich lieber….- aber bald :-) !
Alles in allem kann ich Euch sagen: Mir geht es heute richtig gut und ich fühle mich „Pudel…“ ähh ich meine natürlich „Bolonka-wohl“.
Ich könnte
Euch noch stundenlang erzählen. Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein.
Schließlich bin ich ein viel beschäftigter Hund und habe noch jede Menge zu
tun. Vielen Dank allen, die in den letzen zwei Jahren für mich da waren und
dass ich nach Deutschland kommen durfte.
LOLEK